Dieses Projekt eignet sich besonders gut für Jugendliche, die zur Ruhe kommen, die Abstand von sie überfordernden Lebensbedingungen gewinnen wollen, auf die sie nicht selten mit Verhaltensäußerungen reagieren, die selbat- und fremdgefährdend sind. In “Ardassa” treffen sie auf Lebensumstände, die nicht mehr viel mit der gewohnten Reizüberflutung gemeinsam haben, die gekennzeichnet sind von ihnen fremden kulturellen Bedingungen, aber auch von einem sozialen Miteinander, das von der Eingebundenheit des Einzelnen und von der Gemeinschaftlichkeit vieler getragen wird. Herr Atasu stammt aus dieser Region, ist also vielen Menschen hier bekannt und von ihnen akzeptiert. Insofern kann diese neue Umgebung schnell ein haltgebender Lebensmittelpunkt auf Zeit für die Jugendlichen werden, in dem sie neue Erfahrungen machen können. Dieses geschieht sowohl durch eine bisher ungewohnte neue Beziehung zur Bedeutung von Arbeit (z.B. kommt die “Wärme” nicht aus einem Heizkörper, sondern aus dem Ofen, der mit Holz geheizt, das natürlich entsprechend vorbereitet werden muß), als auch über die Einbindung in die soziale Gemeinschaft. Natürlich ist ein solches Leben weit weniger anonym als das Leben in einer deutschen Großstadt, aus der viele Jugendliche kommen.
Durch die Gesamtheit der im Vergleich zu den gewohnten Lebensumständen andersartigen Ramenbedingungen in “Ardassa” ist dieses Projekt hervorragend zur Krisenintervention und Perspektivklärung geeignet. Das Leben wird geprägt von der beeindruckenden Umgebung mit den vielfältigsten von den intensiven Jahreszeiten abhängigen Möglichkeiten, von der für die meisten deutschen Jugendlichen andersartigen türkischen Kultur und dem sozialen Miteinander einer Dorfgemeinschaft, die Fremdem gegenüber aufgeschlossen ist, was sich durch eine selbstverständliche großzügige Gastfreundschaft ausdrückt. Bei längerfristigerem Aufenthalt können auch Arbeitserfahrungen in örtlichen landwirtschaftlichen und handwerklichen Betrieben gemacht werden, eine Beschulung hier erscheint hingegen in den meisten Fällen nicht realisierbar. Immer wieder gibt es jedoch auch Jugendliche, die in diesem Projekt ihre eigenen türkischen Wurzeln neu bzw. wieder entdecken können.