Das Standprojekt Kilhale/Westport liegt in einer landschaftlich sehr schönen Gegend an der Westküste Irlands. Das Projekt Kilhale arbeitet mit zwei Standorten: Der Name Kilhale deutet auf den Ursprung des Projektes hin, ein traditionelles Cottage, ca. acht km entfernt von der Stadt Castlebar im Westen Irlands gelegen. Bis auf die Hochsaisonmonate im Sommer ist in der Küstenstadt Westport ein Haus angemietet, in dem Frau Schukraft mit den Jugendlichen in der Regel während der Woche lebt. Von hier aus sind die schulischen und/oder beruflichen Aktivitäten der Jugendlichen besser zu bewerkstelligen.
Das Standprojekt Kilhale/Westport verfügt über zwei Plätze, die koedukativ belegt werden können. Die Projektbetreiberin, Christel Schukraft, ist eine in Deutschland ausgebildete Grund- und Hauptschullehrerin, die bereits seit mehr als 20 Jahren in Irland lebt und hier lange Zeit in einer irischen sozialen Institution tätig war. Ihr irischer Partner, Gerry O´Sullivan, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat, arbeitet zur Zeit im Rahmen eines Alphabetisierungsprogrammes für irische soziale Randgruppen.

In Kilhale kommt die Familie mit den Jugendlichen insbesondere an den Wochenenden zusammen, um dort gemeinsam das Leben zu gestalten. Zum Haushalt gehören auch noch einige Haustiere, u.a. zwei Hunde und mehrere Katzen. Über den größten Teil der Woche lebt Frau Schukraft mit ihrer Tochter und den Jugendlichen im Haus in der Nachbarstadt Westport. Hier gehen die Kinder zur Schule oder besuchen einen der zahlreichen Ausbildungslehrgänge. In diesem Projekt können neben zeitlich begrenzten Kriseninterventionsmaßnahmen längerfristige Betreuungen angeboten werden.
Neben einem reichhaltigen, auch den natürlichen Gegebenheiten des Landes entsprechenden Freizeitangebot (Fischen, Kanusport, Wandern, Schwimmen, Reiten usw.) bietet das Projekt den Jugendlichen ein Zuhause an, in dem das Zusammenleben und die Kommunikation in einer kleinen überschaubaren Struktur zu einer emotional stabilen und verläßlichen Alternative zu ihren bisherigen Lebenserfahrungen werden kann. Das Standprojekt Kilhale kann Mädchen und Jungen aufnehmen, die insbesondere über die enge Anbindung an Frau Schukraft die Möglichkeit des eher städtisch orientierten Lebensortes Westport in Verbindung mit der ländlichen Struktur des Standortes Kilhale zur Entwicklung neuer eigener Perspektiven nutzen wollen. Dabei wird auch der kulturelle Unterschied in vielen Lebensbereichen als Chance für Jugendliche begriffen.
Für viele Jugendliche sind auch die Unterschiede des irischen schulischen und beruflichen Ausbildungssystems im Vergleich zu den gewohnten deutschen Bedingungen als Chance zu sehen. In aller Regel sind hier die Lern- und Ausbildungsbedingungen erheblich überschaubarer, personell verläßlicher und auch in ihrer Theorie- und Praxisausrichtung durchlässiger als die Bedingungen, die viele Jugendliche in ihren Herkunftsorten in Deutschland erlebt haben. Häufig erweist sich dieser Wechsel als Chance, zu vorher nicht gekannten Erfolgserlebnissen zu kommen. Hierbei wirkt sich - entgegen früherer Erwartungen - das irische Schuluniformsystem als auch für deutsche Jugendliche identitätsstiftend und nicht ausgrenzend aus.
